Filme/Filmkritiken/News

Herbert: Oscarreifes Kino „Made in Germany“

herbert-01

Herbert ist ein bewegendes Drama „Made in Germany“. Lief der Film im Frühjahr noch im Kino, kann man den Film jetzt zu Hause ansehen. Der Film in der trailerwatch-Filmkritik.

Im Mittelpunkt des Milieudramas steht der ehemalige Boxer Herbert. Früher als „der Stolz von Leipzig“ gefeiert, ist sein Ruhm vergangener Tage längst verblasst. Mittlerweile verdient der 50-Jährige sein Geld als Schuldeneintreiber und Türsteher. Die Welt des massigen und mit Ankern tätowierten Mannes bricht schlagartig zusammen als das Zittern in seinen Händen beginnt. Die erschütternde Diagnose: Er leidet unter der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose – kurz ALS.

Es ist ein Wendepunkt für den früheren Boxer, der sich selbst immer über Kraft, Muskeln und sein Erscheinung definiert hat. Er sieht sich schließlich mit dem eigenen körperlichen Verfall konfrontiert und befasst sich mit Themen wie Tod, Liebe und Familie. Es beginnt der fast schon verzweifelte Versuch, Absolution von seiner Freundin Marlene (Lina Wendle) und seiner Tochter (Lena Lauzemis), die er seit Jahren nicht gesehen hat, zu erhalten.

In Hollywood würde Kurth einen Oscar bekommen

In einem großartigen Ensemble begeistert vor allem Hauptdarsteller Peter Kurth. Um die Rolle des ALS-kranken Boxers darstellen zu können, musste Kurth körperlich an seine Grenzen gehen: 16 Kilo Muskelmasse nahm er zu, nur um sie sich während den Dreharbeiten runter zu hungern. Anfangs stark und selbstbestimmt, schränken sich seine Möglichkeiten immer weiter ein. Seine Sprache wird immer schwächer und undeutlicher, bis sie schließlich komplett versagt.

Wie er die emotionale Wandlung und den fortschreitenden Verfall des einstigen Boxers darstellt, ist für den Zuschauer schwer auszuhalten. Und doch: Kurth macht den Film zum Ereignis – einem eigentlich oscarreifen Ereignis.

Mit Herbert gelingt Regisseur Thomas Stuber ein eindrucksvolles Langspielfilmdebüt. Zwischen Boxclubs, Kneipen und verwahrlosten Plattenbauten mit Blümchentapete präsentiert er ein bewegendes Drama über das Leben im Leipziger Kiezmilieu. Es wirkt nicht übertrieben konstruiert, sondern glaubwürdig und erschreckend nah an der Realität.

Wer sagt, dass der deutsche Film nur Schweighöfer und M’Barek zu bieten hat, muss diesen Film sehen. Es ist deutsches Kino mit dem Prädikat „besonders wertvoll“.

Hier gibt’s weitere trailerwatch-Filmkritiken

Herbert lief ab dem 17.März 2016 in den deutschen Kinos und ist seit dem 07. Oktober 2016 auf DVD und Blue-ray erhältlich.
FSK: ab 12 Jahren freigegeben | Genre: Drama | Verleih: Wild Bunch
Regie und Buch: Thomas Stuber | Darsteller: Peter Kurth, Lina Wendel, Edin Hasanovic, Lena Lauzemis
(Bilder: © Wild Bunch Germany)

It's only fair to share...Share on Facebook
Facebook
0Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Reddit
Reddit
0Email this to someone
email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.